Was ist Gestalttherapie?

Die Gestalttherapie begreift den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist und unterstützt ihn dabei,

seine Ganzheit – seine Gestalt

wiederzuerlangen, wenn diese psychisch oder körperlich beeinträchtigt ist. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch das Potential für seine Heilung und Entwicklung in sich selbst trägt. Gestalttherapie ist ein Therapieansatz der humanistischen Psychologie.

Im Mittelpunkt steht die Achtsamkeit für Gefühle und Wahrnehmungen im Hier und Jetzt. Dabei werden alle Erfahrungsebenen einbezogen und erforscht - die emotionale, die körperliche, die intellektuelle und die zwischenmenschliche Ebene. Die Beziehung zwischen den Beratenden und ihren Klienten wird dabei als Dialog auf Augenhöhe und als wichtige Basis für Heilung und Lösung verstanden. Ein zentraler Leitsatz der Gestalttherapie ist die Erkenntnis des Philosophen Martin Buber:

Der Mensch wird am Du zum Ich.

Gestalttherapeuten und Gestaltberater unterstützen ihre Klienten durch ihr achtsames Ohr, durch Wertschätzung und Verständnis, aber auch durch eine Vielzahl erlebnisaktivierender Methoden:
Rollenspiele, bildhafte Inszenierungen, körperliche Bewegungen und kleine Experimente im Alltag können zu neuen befreienden Erfahrungen werden, die an die Stelle alter schädlicher Verhaltensmuster treten.

Am bekanntesten ist die Arbeit mit dem „leeren Stuhl“ – ein Stuhl, der die Ängste oder die Wut, aber auch konkrete Personen aus dem eigenen Leben symbolisieren kann, um sich mit ihnen – im wahrsten Sinne des Wortes - auseinanderzusetzen. Aber auch bunte Filzmatten, Steine, Muscheln, Seile und kleine Spielfiguren können in der Gestalttherapie als Symbole für innere Anteile und Prozesse eingesetzt werden. Alles, was man sondern selber tut und erlebt wirkt sich intensiv auf die seelische Entwicklung aus.

Sage es mir, und ich vergesse es
Zeige es mir und ich werde mich erinnern.
Lass es mich tun und ich werde es begreifen. (Konfuzius)


Die Grundlagen der Gestalttherapie wurden von den deutschen Psychoanalytikern Fritz und Laura Perls entwickelt. Gemeinsam mit dem amerikanischen Philosophen und Autor Paul Goodman veröffentlichten sie 1951 die Thesen der Gestalttherapie. 1952 gründeten sie das erste Gestalt-Institut in New York. Diese Ideen trafen in Deutschland den Nerv einer Generation, die von der Studenten- und Emanzipationsbewegung geprägt war und die alten Psychiatriekonzepte in Frage stellte. In den 1970er Jahren entstanden die ersten Ausbildungsinstitute in Westdeutschland, die den humanistischen und ganzheitlichen Ansatz der Gestalttherapie lehrten. Seit 1986 arbeiten die Gestalttherapeutinnen, Gestaltberater und Gestalt-Institute in der Deutschen Gesellschaft für Gestalttherapie (DVG) zusammen.

Heute hat die Gestalttherapie einen festen Platz in der internationalen Therapie- und Beratungslandschaft und diese auch mit ihren Ideen bereichert: Viele Übungen und Ansätze aus der Gestalttherapie gehören inzwischen auch zum festen Repertoire der herkömmlichen Psychotherapie.  

Eva-Maria Lerch
Psychologische Beratung – Gestalttherapie – Therapeutisches Schreiben
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